Tool – Maimarkthalle Mannheim – 12.12.2006


Meist kaufe ich mir begeistert eine Konzertkarte, doch wenn der Termin dann näher rückt überwiegt dann erstmal der erwartete Stress: Hinfahren, Warten, „Vorfreude“ auf die meist miese Vorgruppe usw.

Bei Tool frage ich mich im Vorfeld, wie die langen und instrumental-lastigen Stücke wohl präsentiert werden. Doch der Reihe nach: Die Vorgruppe war ganz schlimm: Mastodon (erinnert schon an Mastdarm). Die Musik ist vielleicht gar nicht so schlecht, wenn da nicht diese voll krasse Lautstärke mit miesem Sound wäre. Und einen Sänger sollten sie sich vielleicht auch mal zulegen, denn jeder Ton wird rausgebrüllt …

20:00 Mastodon, 20:45 Umbaupause, 21:15 – endlich – Tool

Das Bühnenbild ist viergeteilt, von links nach rechts: Gitarre – Sänger/Keyboard – Schlagzeug – Bass. Hinter jeder „Einheit“ gibt es eine Projektionsfläche.

Die 4 kommen unspektakulär auf die Bühne und los geht’s mit Stinkfist. Der Sound ist – zum Glück – glasklar und auch die Lautstärke ist erträglich (bzw. wäre erträglich, wenn da nicht noch meine ausklingende Gehirnerschütterung wäre…).

Zunächst bin ich irritiert. Der Sänger trägt eine Gasmaske mit Mikro und ich Frage mich, wie lange er das wohl aushält. Zudem scheint das Publikum keinen der 4 zu interessieren. Der Sänger kommuniziert mit der Leinwand und singt somit auch oft mit dem Rücken zum Publikum. Doch der Sound und vor allem die (zunächst vorsichtig dosierte) visuelle Show ziehen mich mehr und mehr in ihren Bann.

Eine solche Kombination von Musik und perfekter optischer Präsentation habe ich noch nicht gesehen – und ich habe schon viele Konzerte erlebt. Zu jedem Song gibt es sorgfältig abgestimmte Video-Sequenzen auf zunächst einer, später 4 Leinwänden. Im zweiten Teil des Konzerts wird dies noch um eine beeindruckende Lasershow ergänzt.

Mittlerweile habe ich verstanden: Das ist kein Konzert, sondern eine perfekte Inszenierung – und zwar nicht einer Person, nicht der Band, sondern der Musik. Somit ist es konsequent, dass sich genau darauf und deren Vermittlung konzentriert wird – keine überflüssige Kommunikation mit dem Publikum, keine Pausen, keine Zugaben.

Fast 110 min. dauert der Wahnsinn, ehe Ænema das Konzert beendet.

Fazit: Niemals hätte ich es für möglich gehalten, dass mich (in gesetztem Alter) ein Konzert nochmals so berühren würde. Alleine beim Gedanken daran läuft es mir wieder kalt den Rücken herunter. Auch der innere Zwang, dies hier aufzuschreiben, ist bedenklich. Aber leider kommt die Optik hier nicht rüber – weil UNBESCHREIBLICH!!!


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Habe bei flickr noch einige Bilder vom Minneapolis-Konzert gefunden: