Werkstattfreuden
Wer (relativ) viel Rad fährt muss sich unweigerlich auch mit dem Material und dessen Reparatur beschäftigen.
Anfangs habe ich mein Rennrad immer in den Radladen gebracht und dort alles machen lassen, aber der Zeitaufwand und das dann länger nicht nutzbare Rad haben schnell dazu geführt die meisten Reparaturen selbst zu erledigen.
Tubeless ist für mich wegen Pannenschutz am MTB gesetzt, allerdings sind Reparaturen daran alles andere als Spaß. Die Dichtmilch sorgt dabei für garantierte Sauerei und oft sitzen die Mäntel so fest auf der Felge, dass meine Handkräfte kaum fürs Demontieren ausreichen. Ein vermeintlich einfacher Reifenwechsel am MTB hat mich nun tagelang beschäftigt und schier in den Wahnsinn getrieben:
- Der neue Mantel lässt sich nur sehr widerwillig auf die Felge montieren, aufpumpen geht problemlos - aber das System ist undicht. Luft kommt an den Speichennippeln raus.
- das Ganze also nochmal von vorne, Felgenband durch Neues ersetzt, aufpumpen mit der Standpumpe geht diesmal nicht.
- dafür habe ich mir so einen kleinen Lufttank zugelegt, den pumpt man mit der Standpumpe auf und der lässt dann auf einen Schlag die Luft in den Reifen.
- “Schlag” war schon ein gutes Stichwort. Der Reifen ist aufgepumpt, sitzt aber noch nicht überall richtig im Felgenbett - und als ich den Mantel an der Stelle anfasse gibt es eine amtliche Explosion - und der Mantel ist wieder demontiert. Die Nachbarn sind aufgeschreckt und mir klingeln die Ohren.

- Zwischenzeitlich nutze ich das Ersatzlaufrad, bei der ersten Ausfahrt damit reisst mir eine Speiche beim Bergauffahren.
- Nach dem Speichenwechsel gibt es bei der nächsten Ausfahrt keine Probleme, eine Kaffeefahrt zum Erdbeerstand ist auch noch drin. Kurz danach schrecke ich vom Schreibtisch hoch, irgendwo in meiner Wohnung muss was umgefallen sein. Am Ersatzlaufrad sind gleich 2 Speichen futsch - wie immer aus dem Nippel gerissen, so dass die Reparatur auch schön aufwendig ist.
- Nach der Reparatur des Ersatzlaufrades wende ich mich wieder dem “explodierten” Laufrad zu. Aufpumpen lässt es sich noch auf etwa 1,5 bar. Man sieht dann aber schon eine extreme Unwucht im Mantel. 2 bar hält das System nicht aus, dann macht es wieder reproduzierbar “Puff”. Der neue Mantel ist also nun ein Fall für den Mülleimer.
- Also wieder von vorne, anderen neuen Mantel aufgezogen, aufpumpen geht problemlos - aber das System ist undicht. Luft kommt an den Speichennippeln raus. Deja vu.
- mehrfache Versuche, das Felgenband ohne demontieren des Mantels zu richten, scheitern.
- Wieder alles demontiert, das erst neu montierte Felgenband untersucht. Auch das wurde offenbar bei der Explosion beschädigt, die ab Werk verklebte Stelle ist an einer Seite etwas eingerissen, also auch das neue Felgenband ein Fall für die Tonne.
- Nach dem Montieren von neuem Felgenband hält der Reifen nun tatsächlich die Luft. Probefahrt steht noch aus. Fortsetzung folgt hoffentlich nicht …