Schuld ist Chris ;-) .

Als er mir Oktober 2010 erzählt, dass er gleich 3 Canyon Strive bestellt hat (weil er sich nicht zwischen den Ausstattungsvarianten entscheiden konnte), werde ich hellhörig. Nach dem Lesen der AGB's hab ich mich dann schnell durchgeklickt und ein ES 9.0 bestellt. Liefertermin 17. KW.

Warum überhaupt ein neues Rad? Nein, mit meinem Lapierre Spicy bin ich nicht unzufrieden, im Gegenteil. Damit habe ich fahrtechnisch den Durchbruch geschafft und es ist ein geiles Rad. Nur kommt es so langsam in die Jahre, es hat 19 tkm runter, die Gabel ist fertig und braucht dringend einen Service, wahrscheinlich sind auch die Buchsen hinüber ...

Doch beim geplanten Liefertermin des Strive bleibt es nicht. Wegen Produktionsproblemen muss Canyon um weitere 5 Wochen schieben, angeblich gab es Probleme mit der 270°-Box. Doch auch diesen Termin können die Koblenzer nicht halten, diesmal ist ein Hurricane Schuld. Letztlich ist es dann KW 24 und so stehe ich am 18.06. mit Anke im Canyon-Showroom. Wir haben noch etwas Zeit und quatschen mit Thomas, der bei Canyon jobbt und den Canyon-Stand im März auf Zypern betreut hat. Dann ist es soweit :-)

Canyon Koblenz

Canyon Strive ES 9.0

Daheim geht es zusammen mit Stefan sofort in den Taunus. Meine ersten Fahreindrücke hab ich ja schon am Gardasee gesammelt, doch was mir nun richtig auffällt, ist der steile Sitzwinkel. Im Flachen senke ich die Talas gar nicht ab, die Position ist auch mit ausgefahrener Gabel richtig angenehm. Und erst bergauf :-)

Wir bauen bei der Auffahrt zum Altkönig den ersten Trail bergab ein und ich fühle mich sofort wohl. Das Fahrwerk ist sensibel, nur die Werksabstimmung der Gabel ist zu hart. Auf dem Feldberg spielt das Wetter nicht mehr mit und wir müssen kurz schauern.

Feldberg

Von dort nehmen wir einige unserer Standardtrails zurück zur Hohemark: X-Trail, Reichenbach, Bogenschiessplatz. Und das Strive schlägt sich auch in diesem Gelände sehr gut.

Wetterbedingt schaffe ich es erst wieder an Fronleichnam auf's MTB. Diesmal ist der Marmorstein der erste Trail und auch hier begeistert das Strive wieder. Leider wird die Stimmung aber durch lautes Knacken getrübt.

Karsten

Das Problem wurde auch schon bei MTB-News von anderen diskutiert. Ich versuche die Ursache zu finden, was mir aber erst am Abend nach der Tour gelingt. Nachdem ich alle Schrauben an der Umlenkbox überprüft und mehrfach den Dämpfer ausgebaut habe, findet sich die Ursache an ganz anderer Stelle, nämlich am Hauptlager der Schwinge. Schrauben gelöst, Lager nachgezogen, Schrauben wieder angezogen und schon ist Ruhe. Doch die dauert nicht lange, bei der dritten Ausfahrt geht es wieder los, wenn auch nicht so laut. Mit Chris zusammen finde ich die Ursache am Nadellager des Dämpfers. Hier gibt es Spiel und Geräusche. Am Ende der Tour ist dann wieder Ruhe und am Abend kann ich kein Spiel mehr feststellen. Werde das weiter beobachten, ich trau der Sache nicht ...

Zum Rad selbst. Die Griffe haben mir nicht gefallen und so habe ich sie nach der ersten Ausfahrt durch dickere von Oury ersetzt. Den Gabeldruck habe ich von 6 auf 4 bar gesenkt, nach der dritten Ausfahrt nun sogar auf 3,5. Die Züge am Lenker habe ich sortiert und fixiert, damit das Klappern aufhört. Die Hammerschmidt ist gewöhnungsbedürftig, im Overdrive nervt sie Fahrer und Mitfahrer. Dafür spart man sich die Klingel und die Bodenfreiheit ist Klasse. Leider schaltet die Hammerschmidt genau anders herum als ein normaler Umwerfer, da brauche ich noch etwas Zeit ;-) . Die Bremsen begeistern im Praxiseinsatz und zum Glück habe ich da kein Montagsmodell wie beim Gardasee-Testrad erwischt. Der Rahmen ist sauber gefertigt und macht einen guten Eindruck, nicht nur optisch. Es bleibt halt spannend, ob noch Kinderkrankheiten drin stecken, vor allem, wie lange das Nadellager am Dämpfer hält ...

Fazit bisher: Ein geiles Rad, das lange Warten hat sich geloht. Das Strive ist verspielter als das Spicy, ich sitze gefühlsmäßig mehr im Rad drin. Es macht bergauf unheimlich Druck, hier kann das Spicy nicht mithalten, obwohl kaum schwerer. Im Trail sind beider Räder Klasse, das Fahrwerk des Strive ist wendiger und momentan wegen der nicht optimal funktionierenden Gabel des Spicy diesem hier überlegen. Das Spicy hat aber Vorteile in grobem Schotter, hier spielt es seine Laufruhe aus.